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Episode 6

Was bisher geschah:

Jessica lernte Roland vor vier Jahren auf der Berliner Fanmeile kennen. Er war zur Stelle, als sie Hilfe benötigte und wurde zu ihrem Helden. Die attraktive Zahntechnikerin und der Junge aus wohlhabendem Haus zogen zusammen. Doch Roland veränderte sich. Neuerdings versucht er sein Glück im Immobiliengeschäft und kann da veritable Kontakte aus der Unterwelt vorweisen. Die Schmetterlinge sind bei Jessica bereits ausgeflogen und doch fährt sie mit ihm noch einmal in den Urlaub. Auf der Fahrt zu ihrer mallorquinischen Finca-Unterkunft zeigt Roland ihr gegenüber wieder einmal sein hässliches Gesicht. Ist ein Happy End für die beiden noch möglich?

»Verdammt Jessica, was willst du denn?«

Roland hielt sich an die Wegbeschreibung des Sachsens und fand den Weg nach S’Horta nun ohne Mühe. Eingebettet inmitten von Zitronen- und Mandelbäumen lag kurze Zeit später das kleine Landhotel Finca Sa Pletassa vor ihnen. Es zu finden war kein Problem. Das Problem saß auf seinem Beifahrersitz und schwieg jetzt bereits eine ganze Viertelstunde. So kannte er Jessica nicht.

»Jessy, schau mal, wir sind angekommen!«, verkündete Roland triumphierend.
Von ihr keine Reaktion.
»Ist das nicht eine Oase der Ruhe? Wir werden einen fabelhaften Urlaub haben«, versuchte er es erneut.
Wieder keine Reaktion.
»Was ist denn? Freust du dich überhaupt nicht, oder was?«
Sie blieb stumm und blickte aus dem Seitenfenster.
»Verdammt Jessica, was willst du denn?«
Rolands Geduldsfaden war nie wirklich lang gewesen und riss auch dieses Mal recht schnell. Gerade in dem Moment, als er das Auto verlassen wollte, wandte sich Jessica mit leiser und brüchiger Stimme an ihn.
»Ich will das Du dich entschuldigst Roland. Ich will, dass du dich nicht wie ein Arsch mir gegenüber aufführst.« Den letzten Satz sagte sie dann in fester Tonlage und blickte ihm dabei direkt in die Augen: »Ich will, dass wir hier endlich mal wieder eine schöne Zeit miteinander verbringen, die wir so schon sehr lange nicht mehr hatten.«

»Hooo, Hooo, Jessy! Jetzt mal ganz langsam.« Roland war merklich verblüfft. Diese Direktheit war er nicht gewohnt.
»Okay, für diesen Aussetzer vorhin im Wagen entschuldige ich mich, aber seit wann haben wir keine schöne Zeit mehr miteinander, Baby?«
»Seitdem wir vor zwei Jahren von Ko Samui zurückkehrten. Danach hast du dich verändert und lässt mich links liegen«, warf eine nun deutlich toughere Jessica ihrem Freund vor.

Eine Szene wie aus einer Schnulze

Tatsächlich, den Urlaub auf der thailändischen Insel Ko Samui genoss sie damals in vollen Zügen. Ihre erste Fernreise und alles war so unglaublich aufregend. Knappe 10 Stunden dauerte der Flug in die asiatische Metropole Bangkok, wo sie einige Stunden Aufenthalt hatten. Sie wird nie vergessen, wie es war als sie die klimatisierten Flughafenhallen für einen Moment verließ. Eben noch die unnatürliche und viel zu übertriebene Kälte und dann auf einmal das Waschküchenfeeling Südostasiens. Für einen kurzen Moment war sie benommen. Eingehüllt in die feuchte Hitze, die sie sofort anfingen ließ zu schwitzen und dann diese fremden, exotischen Düfte, die ihr Geruchszentrum eroberten. Dann der Blick zum Himmel und wie sich dort unglaublichen Wolkenformationen, hochhausgleich auftürmten. Jessica nahm all diese Eindrücke wie ein trockener Schwamm in sich auf und speicherte sie.

Ihre Begeisterung steigerte sich noch, als sie sich Stunden später im Landeanflug über Ko Samui befanden. Das türkisfarbene Wasser des Indischen Ozeans glitzerte wie tausend Perlen im Sonnenschein und zog sie magisch an. Von Jetlag keine Spur. Sie wollte den Schweiß und die Strapazen der Reise im Wasser ertränken. Und zwar sofort! Nachdem sie vom Flughafen abgeholt wurden und nur wenig später in ihr Hotel Ibis Bophut Samui eincheckten, zogen sich Jessica und Roland ihre Badesachen an und rannten Hand in Hand vorbei an pikiert dreinblickenden Europäern und Asiaten in Richtung Meer. Ohne zu stoppen, krachten ihre Körper in die Wellen des Indischen Ozeans. Jessica juchzte und war nie glücklicher gewesen als in diesem Moment.

Das Abendessen nahmen sie später dann in einem kleinen Restaurant am Strand ein. Die seichte Brandung und das Mondscheinlicht ließen diesen Moment wie eine Szene aus einer Schnulze wirken, aber so war es nun einmal. Ihr kam die Werbung ihres Reiseanbieters in den Kopf. Täglich. Neu. Entdecken. Und das tat sie. Sie war verliebt und genoss den Aufenthalt auf dieser paradiesischen Insel im Golf von Thailand. Schnorcheln, Elefantentrekking, Sonnenbaden, lecker Essen und Massagen, das komplette Thailandverwöhnprogramm eben. Und das Beste daran: Sie unternahmen all das zusammen als Team. Doch dieses Team schien jetzt Geschichte zu sein.

Kein Händchen haltender Sprung ins kühle Nass

»Jessy, so siehst du das? Warum hast du denn nichts gesagt«, fragte sie ein klein wenig bedröppelt wirkender Roland, der immer noch auf dem Fahrersitz neben ihr saß.
»Du bist doch kaum noch da und treibst dich mit wem weiß ich rum.«
»Ach komm, das ist doch alles Business und muss sein.«
»Business. Business. Wenn ich das schon höre. Deine Geschäfte gefallen mir nicht.«
»Jessica! Jetzt hör auf. Wir beenden das jetzt und reden später weiter. Lass uns endlich in dieses Hotel hier einchecken und den Urlaub beginnen«, sagte er und verließ den Wagen, entnahm das Gepäck und lief zur Anmeldung.

Jessica folgte ihm. Das freundliche Personal zeigte ihnen ihr Zimmer, das einen wunderschönen Ausblick über den tropischen Garten der Finca besaß und Roland tat so als hätte es die Diskussion von eben überhaupt nicht gegeben. Ja, er fiel sogar wieder in den alten Trott zurück, als er fluchend seine Schuhe suchte. Jessica, die sich innerlich komplett leer fand, reagierte mechanisch auf dieses nun schon bekannte Spiel.

Nachdem er seine Flip-Flops gefunden hatte, ging er alleine zum Pool und ließ Jessica im Zimmer zurück. Kein Händchen haltender Sprung ins kühle Nass also wie noch in Thailand. Kein freudiges Gejuchze. Sie starrte ihm hinterher und musste einmal hart Schlucken. Zehn Atemzüge später stand ihr Entschluss fest. Jessica nahm ihren Rollkoffer, den sie bisher noch nicht einmal ausgepackt hatte und verließ das Zimmer. Verließ Roland. Das Taxi, welches gerade vorfuhr und ein glücklich lachendes Pärchen absetzte, kam wie gerufen. Sie stieg ein. Der Fahrer fragte nach dem Ziel. Jessica zuckte mit den Schultern und sagte traurig: »Dahin, wo es schön ist«.

Das Taxi brauste davon.

Fortsetzung folgt

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