episode29-SiemReap

Episode 29

Was bisher geschah:

Jessica und Max waren nach Bangkok geflüchtet. Zum einen konnten sie sich dort besser kennen lernen und zum anderen meinten sie, dadurch den Fängen von Roland entgehen zu können. In der Armbanduhr von Jessica fanden sie eine Speicherkarte, deren Inhalt im ersten Moment für sie im Verborgenen blieb. Doch Max erinnerte sich an einen Computernerd, den er vor Jahren in Bangkok kennenlernte. Vielleicht konnte dieser helfen die Daten auf der Karte sichtbar zu machen?

Es war kurz vor 22 Uhr als sie das Hotel betraten

Natürlich waren sie noch einmal eingeschlafen. Die Matratzenaktivitäten als auch der Jetlag forderten ihren Tribut. Verschlafen, aber glücklich, zogen sie am Abend hinaus in die Stadt. Die Sonne war bereits längst untergegangen und die Waschküche Bangkok begann in ihren allabendlichen Schleudergang zu schalten.

Hand in Hand schlenderten sie durch das belebte Viertel rund ums Baiyoke Sky Hotel. Der lärmende Verkehr, die vielen bunten Taxis, die Waren feilbietenden Händler am Straßenrand und dazu diese würzigen und charismatischen Essensdüfte der mobilen Garküchen betörten ihre Sinne. Nach dem Abendbrot, Jessica traute sich erst einmal nur an Huhn mit Reis heran, während Max ein scharfes Curry genoss, machten sie sich auf den Weg zum Siam Heritage Hotel, um dort möglicherweise auf Jai, den alten Bekannten von Max, zu treffen.

Es war kurz vor 22 Uhr als sie das Hotel betraten. Obwohl mitten im Trubel von Bangkok positioniert, glich die Anlage einer Oase der Ruhe. In der Lobby fläzten ein paar Europäer auf den Sofas und lasen in der Bangkok Times. Aus den Lautsprechern rieselte sacht thailändische Instrumentalmusik. Max ließ seinen Blick durch Halle schweifen und tatsächlich, hinter dem Tresen der Rezeption lümmelte Jai. Seine kurzen schwarzen Haare waren von einer Art Kapitänsmütze bedeckt. Dazu trug er um den Hals ein modisches Karotuch. Sein etwas untersetzter und fülliger Körper steckte in einem abgewetzten Bonnie Prince Charlie Jacket nebst schottischem Kilt. Ja, Jais Modegeschmack konnte als eigenwillig bezeichnet werden.

»Ahoi Captain!«, eröffnete Max das Gespräch.
Jai, der gerade in einer Ausgabe der Preacher-Comic-Reihe vertieft war, blickte gelangweilt auf und man sah, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Sicher, er hatte viele Typen hier kommen und gehen gesehen und Max konnte sich nicht sicher sein, ob er ihn ohne Weiteres wiedererkennen würde.
»Max? Is that you?«, fragte er zögerlich.
»Damn right Jai! Back in Bangkok!«
»Ohhhh…. Sawadee khap! Warte, ich ein wenig gelernt deine Sprache…Herzlich Willkommen!«
»Du altes Sprachgenie! Wie geht es Dir?«
»Danke, gut. Wer ist Frau bei Dir?«
»Ah, entschuldige. Das ist Jessica. Jesscia…Jai.«
»Sawadee khap Jai«, begrüßte Jessica den Paradiesvogel hinter dem Tresen.
»Hallo Jessica, nice to meet you! Was kann ich tun für euch?«
»Jai, wir haben hier eine Speicherkarte gefunden und wüssten gerne, was sich darauf befindet. Könntest du uns helfen?«, fragte Max und überreichte die Karte an Jai.
»Let´s see..« Jai klemmte das kleine Speichermedium zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand ein und beförderte mit der Rechten einen Laptop auf den Tisch. Blitzschnell bugsierte er den Datenträger in ein Kartenlesegerät und beobachtete aufmerksam, was sich auf dem Bildschirm tat. Jessica und Max blickten dabei in sein Gesicht, und als sich dieses in Falten legte, konnten sie bereits erahnen, dass die Geheimnisse der Speicherkarte gut geschützt waren.

»Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen!«

»Sorry Max! Ist mit aufwendiger Methode verschlüsselt. I´m not a Codeknacker, you know. Aber ich habe Bekannten, der kann helfen«, gestand Jai.
»Allright, Jai! How can i reach him?«
»Ahhh…. unfortunately er ist gerade in Saigon bei Familie und kommt Bangkok nächste Woche.«
»Schade. Aber gut, dann haben wir Zeit für Asien, oder was meinst Du Jessy?«
»Fabelhaft! Der verdammte Blödsinn von Roland kann durchaus noch warten.«

Von Jai erhielten sie den Tipp, sich doch einmal die Tempelanlagen von Angkor im benachbarten Kambodscha anzusehen. Sein Schwager würde ein lokales Touristikunternehmen leiten und den beiden sicherlich beim Preis der Überfahrt entgegenkommen. Tatsächlich saßen sie bereits am nächsten Tag in einem Reisebus, der sie von Bangkok an die kambodschanische Grenze bringen würde. Knappe fünf Stunden dauerte der Trip. Jessica und Max saßen in der letzten Reihe und genossen die vorbeifliegende sattgrüne Landschaft Thailands. Dass die Idee mit dem Reisen per Bus vielleicht doch nicht die beste war, obwohl es sie wirklich nur kaum mehr als ein Lächeln kostete, ging ihnen auf kambodschanischem Hoheitsgebiet auf. Die Erledigungen der Formalitäten an der Grenze raubten ihnen bereits eine gesamte Stunde. Sie wechselten in einen deutlich kleineren Transporter, wobei wirklich jeder der vermeintlichen neun Sitzplätze belegt war. Muss ja, schließlich waren sie zu elft in dem Gefährt nach Siem Reap unterwegs. Es war sehr eng und Max spürte die gesamte Fahrt über das Knie seines Hinternachbarn im Rücken. Verstärkt wurde dieser unangenehme Druckschmerz durch die schiere Nichtexistenz von Straßen. Ja, die Regentschaft der Roten Khmer hatte wirklich ganze Arbeit geleistet – zumindest wenn man annahm, dass sich hier ein Agrarstaat befände, der einzig und allein Feldwege zu bieten hätte. Max hatte immer wieder Doc Brown am Ende von »Back to the Future« im Kopf: »Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen!« Schön wäre es! Max brauchte jetzt ganz dringend eine Straße, denn mittlerweile fühlte er sich wie der Inhalt im Schüttelbecher eines Barmixers. So mies, wie die Zustände des Bodens waren, brauchten sie also tatsächlich 13 Stunden für die lumpigen 417 Kilometer.

Am Ende ihrer Kräfte erreichten sie am sehr späten Abend das von Jai empfohlene Bopha Angkor Hotel. Dank Jai lag bereits eine Reservierung auf Rieber vor und so konnten sich beide sofort in die professionelle Obhut zweier Siam-Massagegöttinnen begeben, die offenbar wohlwissentlich ebenfalls von Jai bestellt waren. Der Gute, beinahe so unentbehrlich wie ein Reisebüro, dachte sich Max. Und ja, die Damen wussten wirklich was sie taten und wie sie die tiefsitzenden Verspannungen aus den Schultern der beiden vertreiben konnten. Das war auch bitter nötig, denn bereits am nächsten Tag würden Jessica und Max am frühen Morgen zur Besichtigung Angkors Wats aufbrechen.

Fortsetzung folgt


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>