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Episode 25

Was bisher geschah:

Die Woche des gemeinsamen Kalabrien-Urlaubs neigte sich für Familie Schönbeck dem Ende entgegen. Doch was wären Schönbecks ohne Stress und Probleme? Bereits der Anfang des Urlaubs war eine Katastrophe und dann verschwand auch noch Tochter Dorothea nach einem Streit. Martin und Sabine gingen auf die Suche, während Oma Mathilda mit Sohn Karl im Hotel blieb. Am Strand von Zambrone fand Martin sie letztlich und konnte einen Übergriff von zwei finsteren Gesellen in letzter Sekunde vereiteln. Der Mittelmeer-Kreuzfahrt stand nun nichts mehr im Wege.

»Entschuldigung angenommen!«

Als Karl Dorothea auf dem Hotelgelände entdeckte, rannte er sofort auf sie zu und schrie laut: »Ich hab Dich gefunden!«
Dorothea lachte und nahm ihren Bruder in die Arme, der das überhaupt nicht toll fand.
»Ach Karlchen, ein Glück hast Du mich gefunden«, sagte sie und ihr Bruder lächelte stolz.
Ähnliche Freudenszenen gab es dann noch zwischen Mutter und Tochter und natürlich auch mit Oma Mathilda. Niemand machte ihr große Vorwürfe und ihr Verschwinden wäre unkommentiert geblieben, wenn sich Dorothea nicht beim Abendbrot noch einmal bei allen entschuldigt hätte.

»Echt, ich hab da ziemlich großen Mist gebaut und euch und mich in Schwierigkeiten gebracht. Sorry«, teilte die Teenagerin ihrer Familie mit und bekam dabei erneut feuchte Augen.
»Entschuldigung angenommen! Hast uns wirklich einen schönen Schreck eingejagt, aber Dir ist zum Glück nichts passiert. Mach Dir mal keinen Kopf, ab und an möchte jeder wohl gerne mal einfach abhauen. Doch das ist einfach. Sich den Problemen dagegen zu stellen, zeugt von Größe«, dozierte Sabine, während ihre Tochter mit dem Kopf nickte.
»So und jetzt haut mal ordentlich rein, wir haben morgen wieder einen großen Tag vor uns und ich hoffe doch sehr, dass dieses Mal alles glattgeht«, beendete Martin das Thema.

Am folgenden Morgen lief dann erstaunlicherweise wirklich alles wie am Schnürchen. Das Hotel hatte keine Beanstandungen, da Karlchen dem Interieur keine Schäden zugefügt hatte. Die Autofahrt zum Flughafen von Lamezia Terme hielt ebenfalls keine Überraschungen für die Schönbecks bereit. Als sie die Stelle passierte, wo ihnen vor einer Woche noch der Reifen um die Ohren flog, lief Sabine ein kalter Schauer über den Rücken. Karl wollte die Geschichte von der Beinahe-Katastrophe immer und immer wieder hören und seine Schwester tat ihm den Gefallen, schließlich war sie jetzt bereits eine erprobte Action-Veteranin.

All das gehört zu einem Rom-Besuch

Überpünktlich erreichten sie den kalabrischen Flughafen, konnten in aller Ruhe den Mietwagen abgeben und beinahe als erste in den Flug nach Rom einchecken. Während sich Sabine, Mathilda und Karl durch die Shops des Airports arbeiteten, machte es sich Martin mit einer Zeitung gemütlich. Dorothea tat es ihm gleich. Beiden fiel diese ungewöhnliche Harmonie auf, sie blickten sich an und mussten lachen. Martin legte seinen Arm um die Tochter und war in diesem Moment wohl der stolzeste Vater im Terminal.

Nach dem knapp einstündigen Flug, der ebenfalls nicht durch Turbulenzen oder ausfallenden Touristen gestört wurde, landeten sie in Rom-Fiumicino, wo sie bereits von einem Shuttleservice erwartet wurden. Sein Reisebüro hatte wirklich nicht zu viel versprochen. Leider führte die Strecke zum Fährhafen in Civitavecchia nicht direkt durch Rom. Martin hätte gerne mal wieder einen Blick auf die Ewige Stadt geworfen, die er zuletzt vor etlichen Jahren besuchte hatte. Mit Sabine wohnte er damals nicht unweit vom Vatikan im Grand Hotel Tiberio. Die Lage war wirklich unschlagbar und bereitete ihnen Vorteile beim Besuch des Petersdoms und den Vatikanischen Museen. An was konnte er sich noch erinnern? Ja klar, das Forum Romanum natürlich und das Kolosseum! All das gehört zu einem Rom-Besuch dazu. Geärgert hatte er sich damals allein über die teilweise unverschämten Preise, die sie für ganz einfache Gerichte bezahlen mussten. Nein, Rom war nicht günstig und der gemeine Römer geht wohl davon aus, das die Urlauber nach einem einmaligen Besuch nicht mehr wiederkehren. Schade. Vielleicht hatte sich das aber auch geändert, Martin wusste es nicht und würde es auch nicht erfahren, da sie über die Autostrada Azzurra direkt nach Civitavecchia brausten.

»Das ist Unfug, Martin«

Gegen 17 Uhr erreichten sie den Hafen. Ihr Schiff, die Costa Pacifica würde um 19 Uhr auslaufen. Martin schickte Sabine und die Kinder schon einmal vor auf das Schiff und blieb mit seiner Mutter zurück.

»Wird es gehen Mutter?«, erkundigte sich Martin bei ihr.
»Ich denke schon. Du weißt, es ist das erste Mal, das ich mich seit damals auf ein Schiff wage.«
»Ja, nach 15 Jahre ist es aber auch mal an der Zeit.«
»Aber die ganzen Erinnerungen an Deinen Vater kommen plötzlich wieder und dann fahren wir auch noch direkt durch die Gewässer, wo sein Schiff damals sank.«
»Vielleicht hilft es uns, das wir so Abschied nehmen können von ihm.«
»Das ist Unfug, Martin. Wir waren doch damals schon draußen auf dem Wasser und es hat sich nach gar nichts angefühlt. Solange die Leiche von Gustav nicht gefunden wird, kann ich einfach nicht damit abschließen.«
»Aber …«
»Ist schon gut Sohn. Jetzt lass uns einfach auf diesen blöden Kahn gehen. Ich bin doch schon so gespannt, was eine Kreuzfahrt alles zu bieten hat. Aber wehe Helmut Lotti, oder ein anderer aus diesem Club der lebenden Toten tritt hier auf!«
»Keine Sorge, das Schiff ist mehr jugendlich ausgerichtet und vielleicht reicht es ja für einen Eros Ramazotti.«

Beide mussten lachen. Mathilda hakte sich bei Martin unter und gemeinsam schritten sie die Gangway entlang, wobei der Kapitän ihnen freundlich zuwinkte.

Pünktlich um 19 Uhr verließ die Costa Pacifica den Hafen von Civitavecchia. Erstes Ziel der Reise war Savona. Das Schiffshorn ließ die Passagiere an Deck ehrfürchtig zusammenzucken. Niemand aus der Familie Schönbeck konnte ahnen, was diese Kreuzfahrt für sie bereithalten würde.

Fortsetzung folgt


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