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Episode 17

Was bisher geschah:

Oma Mathilda hatte Enkelsohn Karl in Parghelia verloren. Martin, Sabine und Dorothea Schönbeck hingegen ihre liebe Mühe nach Kalabrien zu gelangen. Endlich angekommen platzte auch noch der Reifen ihres Mietwagens. Es schien so, als hätte sich alles gegen sie verschworen und doch waren alle am ersten Abend vereint. Grund zur Freude war das noch nicht, denn ihr Urlaubshotel wusste nichts von einer Reservierung. Immerhin konnte Mathilda noch ein Zimmer bei der Rezeptionistin raushandeln. Auf engstem Raum zusammengepfercht verbrachten Schönbecks die Nacht. Liegt das Schlimmste damit hinter ihnen?

Das Reisebüro half schnell und umkompliziert

Doch ja, die letzten sechs Tage konnten als Erfolg verbucht werden. Nach der etwas zu engen Nacht im Hotel Rocca Nettuno Garden, setzte sich Martin Schönbeck mit seinem Reisebüro in Verbindung. Der freundliche Mitarbeiter am Telefon konnte rasch zur Klärung ihres Problems beitragen. Die Reservierung muss in der Hektik des Hotelalltages verloren gegangen sein und unglücklicherweise hatte das Rocca keine freien Kapazitäten mehr. Der Reisebüromensch konnt hier helfen und dadurch Schönbecks begeistern. Er buchte sie auf das Hotel Scoglio Del Leone bei Tropea um. Gut, eine kleine Autofahrt musste bewältigt werden, aber dafür erhielten Schönbecks die drei besten Zimmer am Platz und wurden sogar noch in ihrer Verpflegung auf Halbpension hochgebucht, ohne einen Aufpreis zahlen zu müssen.

Die Kinder hatten ihr eigenes geräumiges Zimmer, Martin und Sabine natürlich und auch Mathilda verfügte nun über einen Rückzugsort, wenn es Karlchen mal wieder zu bunt getrieben hatte. Wobei, ganz so schlimm war es mit ihm nicht mehr. Tagsüber vergnügte er sich im Mini-Club des Hotels und am Abend war er dann abgekämpft und zu müde, um noch für größere Scherereien zu sorgen. Allein den beiden Betreuern des Mini-Clubs stand die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Aber gut, dafür wurden sie bezahlt und Schönbecks konnten die ersten Tage in aller Ruhe am Strand verbringen. Bevor der Sonnenbrand über sie herfiel, unternahmen sie mit ihrem Mietwagen Ausflüge in die nähere Umgebung. Sabine zeigte sich besonders von der Benediktinerwallfahrtskirche beeindruckt, die auf dem Gipfel eines Sandsteinfelsens vor Tropea thront. Karl gefiel am besten die Legende, wonach Herkules sich in Tropea von seinen Abenteuern zur Erholung niederließ. Einige Tage imitierte er einen Muskelprotz, indem er mit weit ausgestreckten Armen durchs Hotel lief und so kaum noch durch die Türen passte.

Vater und Sohn beim Fußball

An einem Abend, während die Frauen der Familie einer Abendveranstaltung im Amphitheater des Hotels beiwohnten, fuhr Martin mit seinem Sohn nach Reggio Calabria um sich ein Vorbereitungsspiel von Reggina Calcio anzusehen. Der erste Stadionbesuch seines Sohnes und dann gleich im hübschen Stadio Oreste Granillo. Okay, Karl war mehr am Quengeln als dass er dem Spiel auf dem Rasen zugeschaut hätte. Doch jeder Anfang ist schwer. War bei Martin ja nicht anders, als sein Vater ihn zum ersten Mal zur Berliner Hertha mitnahm. Es war 1971 die Partie gegen Arminia Bielefeld. Ein stinklangweiliges Spiel, das die Hertha mit 0:1 verlor. Später stellte sich dann heraus, dass Bielefeld den Hertha-Kickern Geld für den Sieg geboten hatte. Die nahmen den Koffer gerne an und der Bundesligaskandal nahm seinen Lauf.

Der Abend war perfekt. Mit seinem Sohnemann in einem sehr atmosphärischen italienischen Fußballstadion zu sitzen, dabei den Gesängen der Ultras zu lauschen und dann auch noch einen Telefonanruf zu bekommen, indem ihn sein Freund Arne zu einem Wochenende im Golf Hotel Folgaria ins Trentino für den nächsten Monat einlud. Am Ende war Karl knülle und Martin musste ihn nach dem Spiel ins Auto tragen. Doch das Ereignis musste auf den Junior tatsächlich Eindruck gemacht haben, da er am nächsten Tag seinen Vater fragte, ob er denn jetzt auch endlich mit dem Fußballspielen beginnen könne. Martin standen beinahe Tränen des Glücks in seinen Augen.

»Macht mal halblang«

Vielleicht war all das eine Spur zu viel der Harmonie, denn am Tag vor ihrer Weiterreise kam ein kleines Familiendrama ins Rollen. Alles begann recht harmlos, als die gesamte Familie am Frühstückstisch zusammensaß und Martin sich an seine Tochter wandte:
»Siehst Du Doro, man kann auch noch mit seinen Eltern einen schönen Urlaub, verbringen, oder?«
»Nun ja, es ist jetzt nicht die Hölle, die ich erwartet hätte, aber der große Brüller is´es auch nicht.«
»Ach komm, wir sind alle zusammen und haben Spaß und das Wetter ist prima und Italien einfach schön.«
»Ja, du hast gut reden, du hast Mama und Oma hat Karl, nur ich hab hier niemanden. Keine Freundin und keine neue Mucke für den iPod. Wäre cool, wenn Kevin oder so hier auch abhängen würden.«
»Hmmm … gut das Du mich an diesen Kretin erinnerst, darüber wollten deine Mutter und ich schon sehr lange einmal mit Dir sprechen.«
»Was? Über Kevin? Der ist absolut cool!«
»Nun ja, wenn du cool darüber definierst, wie viel Alkohol jemand verträgt, oder wie schlecht man eigentlich in der Schule sein kann, dann hast du wohl Recht. Hör mal, wir sehen das nicht so gerne, dass du mit Typen wie dem deine Zeit verschwendest und wir würden uns wünschen, dass du eher mit Mädchen wie Marlene Neubauer oder Julia Hesselmann zusammen sein würdest.«
»Macht mal halblang, ich hab ja jetzt nix mit Kevin am laufen oder so. Mit ihm zu chillen ist einfach unglaublich lustig und das lass ich mir von euch Klemmis doch nicht verbieten! Außerdem sind diese blöde Marléne mit de langen Beene und die Hesselfrau absolute Loser. Niemand hängt mit diesen Tussis ab!«
»Klemmis? Junge Frau, achte einmal auf deinen Ton! Wir sind deine Eltern und wollen doch nur das Beste für dich …«
»Ihr wollt das Beste für Euch selbst und nicht blöd dastehen, nur weil ich jetzt nicht mit der Elite abhänge. Ihr seit der beschissene Horror und dieser ganze Urlaub hier ist die reinste Folter. Schlaft ihr doch mal mit dem kleinen Psycho hier in einem Zimmer!«, brachte sie sehr erregt vor, während sie auf ihren Bruder deutete und bereits aufsprang. Tränen schossen ihr ins Gesicht, während sie sich umdrehte und davonlief.
»Doro, beruhig Dich! Komm und setz Dich wieder an den Tisch«, rief Sabine ihr noch hinterher.
»Nun lass sie. Sie ist eine Teenagerin und die sind bekanntlich schnell auf die Palme zu bringen. In ein paar Stunden wird alles wieder in bester Ordnung sein«, beruhigte Mathilda die Schwiegertochter.

Sie sollte sich irren. Als sie die Tochter zum geplanten Ausflug nach xxx von ihrem Zimmer abholen wollten, fanden sie dieses leer. Ebenso fehlte ihr dunkelbrauner Eastpack-Rucksack und auf dem Bett lag eine Notiz:

Ohne mich seit ihr doch sowieso besser dran.
PS: Entschuldige Karl, dass ich dich einen kleinen Psycho nannte.
Doro

Perfektes Timing, dachte sich Martin. Morgen um diese Zeit mussten sie in Genua sein, denn dann würde ihr gebuchtes Kreuzfahrtschiff den Hafen verlassen.

Fortsetzung folgt


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